Sunday, 28 January 2007

Erste Eindruecke aus dem Camphill


Ueber einen Monat in Indien und mehr als zwei Wochen im Camphill. Zeit fuer frische Informationen und Berichte.

Nachdem ich fuer 3 Wochen mit Susi und Philipp an der Suedwestkeuste im Bundestaat Kerala herumgereist bin, hat mich die Pflicht nach Bangalore gerufen. Wie es anscheinend so ueblich ist in Einrichtungen wie dieser bin ich gleich vom ersten Tag an voll in die Arbeit integriert und involviert worden. Das ist zwar anfangs alles ein wenig uebervordernd aber hat auch dazu beigetragen, dass ich mich inzwischen schon ziemlich heimlich fuehle hier.
Ein paar Worte zur Einrichtung hier: Die Gemeinschaft besteht aus 2 Wohnhaeusern mit je 12 Betreuten und ca. 6 Co-Workern. Zusätzlich leben hier noch einige permanente indische Co-Worker, die teilweise schon seit der Gruendung der Einrichtung vor 8 Jahren (?) dabei sind. Die Grundstruktur der Arbeit gleicht der in Kfar Rafael in Israel, jedoch ist der kulturelle Einfluss ein ganz anderer. Das zeigt sich gleich einmal beim Essen. Gegessen wird im Schneidersitz auf dem Boden. Besteck ist dabei keins von Noeten, ueblicherweise genuegen da die Haende. Klarerweise ist das Essen auch jenseits von allem was wir Westler als „indische Kueche “ bezeichnen. Schon in der Frueh gibt es teilweise scharfe Reisgerichte und verschiedenste, bisschen gewoehnungsbeduerftige, Teigwaren. Das Essen hier im Camphill ist streng vegetarisch, wobei das meiner Meinung nach auch Ansichtssache ist, wenn sich im Mehl froehlich die Kakalaken paaren. Da ich dienstags nun immer mit auf den Markt gehe Gemuese fuer die ganze Woche einzukaufen und dann auf dem Fahrrad nach Hause zu transportieren, hab ich jetzt auch ungefaehr eine Ahnung was es kostet eine 45 Seelen Gemeinschaft fuer eine Woche mit Gemuese zu versorgen: Ca. 7,8 € d.h. 0,025 € pro Tag und Person. Aus anderem Quellen weiss ich, dass eine Mahlzeit fuer die gesamte Gemeinschaft weniger als einen Euro kostet.
Betreut und geleitet wird das Camphill von Francis, einer Holländerin und ihrem indischen Mann Anantha. Schon jetzt sehe ich, dass die beiden damit rerstlos ueberfordert sind und dadurch sehr viel mehr Verantwortung auf die Co-Worker abfaellt. In der taeglichen Betreuertaetigkeit und der Arbeit in den Workshops sind die beiden Hauseltern praktisch und theoretisch nicht anwesend, das macht auch die grosse Anzahl an Meetings erforderlich. Nicht weniger als 5 regulaere Meetings muessen Woche fuer Woche absolviert werden, sind immerhin noch 3 fuer mich dabei.
Meine Kollegen sind aus Oesterreich und Deutschland, es wird aber trotzdem hauptsaechlich Englisch und Kanada (die lokale Sprache hier im Bundesstaat Karnataka) gesprochen. Fast alle Villager koennen zumindest ein wenig Englisch, sodass ich keine Sprachbarrieren ueberwinden muss, so wie das in Israel der Fall war. Das macht alles schon viel einfacher. Selbst Francis, die jetzt schon seit 10 Jahren in Indien ist, spricht ausschliesslich Englisch hier.



Heute is mein freier Tag und ich werde wohl noch in die Stadt fahren um dieses e-mail abzuschicken. Die fahrt wird so um die ein bis zwei Stunden dauern, das weiss man nie so genau. Bangalore ist eine der fortschrittlichsten und Reichsten Staedte in Indien. Es gilt als das Silicon Valley Asiens und beherbergt in der IT Branche alles was Rang und Nahmen hat. Das bringt natuerlich einen gewissen Wohlstand, der den Kontrast zur Armut nur noch viel groesser Erscheinen laesst. Wachstumsraten von ueber 30 % sind hier keine Seltenheit und die Zeitungen sind voll von innovativen Neuerungen, welche die boomende Stadt in den naechsten Jahren praegen soll. 10.000e neue Arbeitsplaetze, infrastrukturelle Projekte wie U-Bahn, Hochbahn, Autobahnen und Ausbau des Flughafens sind in Bau. Erste Anzeichen lassen sich schon erblicken und tragen auch zum ewigen Kontrastreichtum Indiens bei. Die Modernen klimatisierten Volvo Busse der regionalen Verkehrbetriebe kosten das 5 fache, sind aber auch immer nur halb besetzt, was den Ausblick auf einen Sitzplatz (eine seltene Raritaet in einem indischen Citybus) schmackhaft macht. Vielleicht nehm ich heut zur Abwechslung mal so einen :-)
Die Entscheidung, ob ich jetzt fuer ein Jahr oder nur ein halbes Jahr hier im Camphill bleiben werde, hab ich noch nicht gefaellt, ich tendiere jedoch zum kuerzeren Aufenthalt. Wie auch immer im Juni bin ich gezwungen zwecks Visaverlaengerung das Land zu verlassen. Was ich dannach mache steht in den Sternen. Nordindien und Nepal bereisen will ich auf alle Faelle, spaeter stehen Thailand, Laos zur Debatte und auch fuer ne gewisse Zeit in Israel zu arbeiten kann ich mir gut vorstellen. Zeitliches Limit hab ich mir keins gesetzt, Budgetaer sollte ich jedoch ganz gut auskommen. Mal schau’n welchen Weg mir das Leben weist.


Weihnachtsgruss



Mein erster Gruss aus INDIEN erreicht euch aus dem Sueden, aus Cochin (Kochi).
Nach fast 3 taegiger durchgehender Reise entspannen wir jetzt hier ein wenig und werden auch morgen in einer der vielen Kirchen der Stadt Weihnachten feiern.Zuerst hatte meine Maschine in Wien wegen Nebel fast eine Stunde Verspaetung, wodurch meine Stunde in Paris die ich zum Umsteigen hatte praktisch dahin war. Durch ein Wunder waren wir dann doch sehr schnell an unserer Zieldestinaion und ich hatte gemuetlich Zeit umzusteigen. Dachte ich...... Als ich dann schliesslich im x-ten Terminal angekommen war und die Schlange am Securitz Check sah wurde ich schon ein wenig nervoeser. Auf die Minute genau bin ich dann doch noch "rechtzeitig" zu meinem Flieger nach Bombay gekommen. 9 Stunden spaeter... ich in INDIEN. Wow!!! Reaslisiert hab ich's nicht wirklich, vor allem die Tatsache, dass ich mich hier min. das naechste halbe Jahr aufhalten werde. Dafuer war auch keine Zeit. Naechster Flug in 8 Stunden.... jetzt erst einmal Flughafen wechseln. No Problem.... Shuttle Buses for FREE! Aber nur wenn man ein gueltiges Ticket hat. :-) Da hab ich dumm aus der Waesche geschaut mit meinem in Handschrift auf einen Zettel gekritzten Code den mir Philipp ueber e/mail uebermittelt hat. "Damit holst du dir dein Ticket" hat er noch gemeint. Security Problem... hats sofort gehiessen, da nimmt mich ein Typ auf die Seite und meint mit ein wenig Geld sei das Problem keins mehr! Mhhh? Was jetzt? Sicherheitsbeamte bestechen? oder ein ueberteuertes Taxi nehmen, welches mich vielleicht irgendwohin fuehrt? Geschickt hab ich mich dann doch noch aus der Affaere gezogen, indem ich zu erklaeren versuchte, dass ich nur Euro hab, aber solbald wir am Domestic Airport waeren, Rupis beim Bankomaten beheben werde und somit das Sicherheitsproblem zu loesen. Beim Inlandsflughafen angekommen will man mir erklaeren dieser sei nur eine Stunde vor Abflug zu betreten, aber gluecklierweise kann man mir ein billiges Hotel anbieten damit ich armer Schlucker nicht so lange auf der Strasse sitz. Zum halben Preis weil es ja das Flughafenhotel is. Kostet nur 40 Euro. Aber zuerst will ich mir mein Ticket am Schalter von Air Deccan holen. Laeuft wie geschmiert... und siehe da ich darf sogar schon in den Flughafen. So leicht lass ich mich nicht verarschen!!!8 Stunden warten, warten, warten.... Endlich checkin bei Air Deccan. Dannach Securitz Kontrolle. Nein, man darf nur ein Stueck Handgepaeck mitnehmen. Bei einem Rucksack mit Laptop und einer Kameratasche wir das eine schwere entscheidung. Ich gehe zum Manager am Checkin... da kann man nichts machen die Security erlaubt das nicht, nicht in seinem Zustaendigkeitsberreich. Ok ich will meinen schon eingecheckten Rucksack zurueck.. zu meiner grossen Uebrraschung ueberhaupt kein Problem. Nach dem umpacken is mein Rucksack um einges schwerer... d.h. jetzt muss ich Uebergewicht zahlen. Three Fifty ... das is aber billig dachte ich bis sich herausgestellt hat dass damit 350 gemeint waren. Egal, Hauptsache eingecheckt. Total verhungert freue ich mich auf ein gutes Fruehstueck, werde aber bald schwer enttaeuscht. Hier gibts nix gratis. Das ganze Flugzeug nur Touristenklasse, der Reihenabstand der Sitze schlimmer als in den mesiten Hoersaelen der Uni Wien.



Egal ich schlafe die Muedigkeit zweier Naechte aus.In Bangalore angekommen, hoffe ich Susi und Philipp dort zu treffen. Kurzer Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich eine Stunde zu spaet bin. Oje.... was wenn ich sie jetzt nicht wie vereinbart antreffe?Nach laengerem suchen entdeck ich sie dann doch inmitten der Menschemmengen. Froehliches Wiedersehen.... nachdem wir uns ein wenig ausgetauscht haben werde ich ueber die weiteren Plaene informiert. Am abend gehts weiter nach Cochin. Wo auch immer das sein mag jetzt muss ich erst einmal ankommen. Das organisatorische ueberlass ich den beiden anderen. Meine uerbschuessigen Sachen will ich im Camphill lassen. Der Weg dorthin stellt sich als eine weitere 2 Stuendige Reise mitten durch Indiens viert groesste Stadt. Mit einem Rikscha legen wir die letzte Stunde bis zum Camphill, welches etwas ausserhalb der Stadt liegt, zurueck. So habe ich die Moeglichkeit Indien von der ersten Sekunde an Hautnah zu erleben. Oft fahren wir Zentimetergenau an anderen Verkehrsteilnehmern vorbei und das CHaos ist so unueaberblicklich, dass man darin schon wieder eine Art Ordnung sehen kann.Das Camphill ist kleiner als erwatet. Wir essen zuerst und treffen nach und nach einige der Villager und Co-Worker. Oesis, Deutsche und Inder. Alle sprechen fast ausschliesslich Englisch. trotzdem faellt es mir manchmal schwer den Indischen Akzent zu verstehen. Das is also der Platz an dem ich min. die naechsten 6 Monate leben und arbeiten werde. Kann ich mir jetzt noch nicht vorstellen.



Naja jetzt wird eh erst einmal Urlaub gemacht. Nach der Teatime, wo sich mir alle vorstellen machen wir uns langsam auf wieder in Richtung Stadt.Wir haben einen Sleeper Bus gebucht. Supa Erfindung, die wir sogleich auch in Oesterreich einfuehren wollen. Ein Bus mit "Stockbetten" um es etwas stupide auszudruecken. Endlich kann ich schlafen!! In der Frueh begeben wir uns auf die Suche nach dem Anschlussbus. Dieser ist total ueberfuellt und wir haben Anfangs nicht einmal Sitzplaetze. Nach insgesammt 14 Stunden Busfahrt in denen wir ca. 400 km zurueck gelegt haben sind wir da. Jetzt noch mit der Faehre uebers Meer und wir befinden uns endlich am Ziel unserer Reise, auf der Halbinsel FortCochin. Jetzt nur noch Guest House suchen und relaxen.Inzwischen sind wir 2 Tage hier und ganz erstaunt ueber die Weihnachtsdeko ueberall. Allein innerhalb von 500 Metern haben wir heute 3 Kirchen besucht um uns fuer morgen eine raus zu suchen. Wir werden uns also morgen um 18 Uhr CHristmas Carols in der aeltesten Kriche Indien anhoeren, dann selbst eine kleine Feier machen(wobei ich fuer die Hauptspeise, Philipp fuer die Nachspeise und Susi fuer Getraenke und Deko verantwortlich sind), und schlussendlich um 24 in die Mette gehen. So haett ich mir Weihnachten in Indien nicht vorgestellt!
Na mal gucken.....