Seit ueber 5 Wochen bin ich jetzt in Ladakh (Teil des Jammu & Kashmir State). Die Zeit vergeht so schnell hier. Mein Ausgangspunkt is Leh, von wo aus ich immer wieder die ein oder anderen Trips starte. Nachdem ich mit meinem Arbeitskollegen Florian (aus Bangalore) Anfang Juli von Srinagar (dem muslimischen Teil Kaschmirs) nach Ladakh gekommen bin, hab ich mich erst einmal auf 3500m aklimatisiert und die herrliche Mondlandschaft genossen. Die Mentalitaet hier hat mich sehr and Nepal erinnert, wobei die Landschaft doch sehr Tibet aehnelt (Ladakh is ca. 600km noerdlicher als Nepal). Dieser (buddhistische) Teil Kaschmirs ist nur 4 Monate im Jahr ueber den Landweg zugaenglich, die uebrige Zeit sind die Bergpaesse ueber die Ladakh erreichbar ist vom Schnee versperrt.
Mein erstes Abenteuer ging zum 160 km entfernten Pangong Lake. Die drei Schotten die ich eines schoenen Tages hier kennen gelernt hab, luden mich ein mit ihnen zu diesem auf 4500m gelegen See zu fahren. Ich hatte nur ein wenig Bedenken, da die Jungs vor hatten mit dem Motorradl zu fahren und ich noch nie auf so einem motorisiertem Zweiradl gesessen bin (nicht einmal auf einem Moped!). Aber es stellte sich heraus, das die Jungs genauso wenig Erfahrung hatten wie ich bzw. zwei von ihnen noch nicht einmal ein Auto gefahren haben. Das gab mir genug Selbstvertrauen. Wir borgen uns also ein Bike und ueben fuer ein par Stunden, bevor wir uns am naechsten Tag auf eine 7-8 stuendige Fahrt ueber einen 5300m Pass begeben. Die Fahrt war von Anfang an von Pannen begleitet und als wir endlich den Pass erreichen, waren wir nur noch zu zweit. Die anderen beiden hatten Probleme mit der unasfalierten Strasse (Steine, Fluesse und dergleichen) und mit ihren Bikes, die sie letztendlich zur Umkehr gezwungen haben. Der See selber, einer der groessten in Asien (zwei dritel davon in Tibet) war gigantisch und die Fahrt eine der schoensten meines Lebens!!
Mein naechster Trip hat mich ueber den angeblich hoesten befahrbaren Pass der Welt (5600m) in ein verlassenes Tal noedlich von Leh gefuehrt. Dort hab ich mit 5 Israelis vier Tage verbracht. Die unglaublich schoenen Sandduenen dort haben uns erinnert, dass wir uns in der Wueste befinden. Einen Tag haben wir mit einer einheimischen Familie verbracht, beim Kochen geholfen und buddhistische Kloster besucht. By the Way... Hier in Ladakh hab ich unglaublich viele Oesis getroffen.... hehe, sogar mehr als Piefken! Die Schluchtenscheisser ziehts halt in die Berg
Einer der Israelis hat mich eingeladen mit ihm anschliessend auf einen 5 Tage Trek zu gehen, und obwohl ich anfangs das Gefuehl hatte nach Nepal genug vom Treken gehabt zu haben, hat mich schlussendlich doch die Lust gepackt und wir (Roie, Anette und ich) haben uns mit komplettter Ausruestung (inkl. 2 Zelte, Kocher, Essen...) fuer 5 Tage auf den Weg gemacht. Der Trek hat uns ueber drei Paesse von 3600m, 4950m und 4820m gefuehrt. Von dort aus hatten wir unglaubliche Aussichten, die ich zu den schoensten meines Lebens zeahlen kann.
Zurueck in Leh hab ich eines netten Abends erfahren (Danke BEN!!), dass am naechsten Tag ein 10 taegiger buddhistischer Meditationskurs (Vipassana) startet. Kurz entschlossen hab ich ein paar Sachen gepackt und bin unangemeldet einfach mit einigen Leuten ins „Vipassana Valley“ gefahren. Ich war mir nicht einmal ganz im klaren worauf ich mich da einlasse. 10 Tage Kurs (eigentlich 12 insgesammt), pro Tag 12 Stunden Meditation bei der man sich voll und ganz entweder auf seinen Atem oder auf Sinnesempfindungen konzentrieren muss, es geschieht also nicht viel. Einige sind am zweiten Tag gegangen weil sie’s nicht ausgehalten haben. Man is wie in einem Gefaengniss, darf nicht reden oder sonstigen Kontakt (Blickkontakt, Koerperkontakt) mit anderen Meditanten haben; Geschechter sind strikt getrennt; es darf weder gelesen noch geschrieben werden; der Tag faengt um 4 Uhr morgens mit 2 Stunden Meditation an und hoert um 9 Abends auf; Mahlzeiten gibt es nur 2: Fruehstueck und Mittagsessen um 11, trotzdem war ich nie hungrig. Das sind nur einige wenige Charakteristiken dieses Kurses. Ich sitze also 12 Stunden und mir tun die Knie weh, dass ich mich nur schwer auf das Meditieren konzentrieren kann. Wenn ich es schaffe meine Konzentration auf meine Nase zu fokusieren, kommen schnell andere Gedanken und ich schweife ab. Dadurch, dass ich nicht sprechen darf kommt es mir vor als ob ich alle Gedanken mit mir selbst diskutieren muss; mein Hirn is superaktiv. Konzentration, konzentration es is nicht einfach! Nach 3 Tagen in denen ich mich nur auf meinen Atem konzentriert hab, kommt endlich was neues. Oft bin ich am kaempfen mkt mir selbst, aber schlussendlich bin ich froh, froh, dass der Kurs vorrueber is und ich mich mit meinen Kollegen austauschen kann und froh, dass ich den Kurs gemacht habe.
Es ist die Technik die Gautama zum Buddha d.h. zum Erleuchteten gemacht hat und er hat sein Leben damit verbracht diese Technik an die Menschen weiter zu geben und sie dadurch glecuklicher zu machen. Da sind so viele wundervolle Ideen enthalten - soviel Liebe und Frieden - dass ich diese ziemlich sicher in meinem Alltagsleben einbringen will d.h. jeden Tag morgens und abends meditieren! Nur so kann ich was erreichen. Schon jetzt nach dem Kurs kann ich eine Veraenderung spueren, die letzten Tage hab ich sehr genossen und bin nie in eine negative Stimmung verfallen.... Erleuchtet bin ich zwar noch nicht aber den ersten Schritt dorthin hab ich genommen!
Im moment haenge ich viel mit meinen Vipassana Kollegen herum, Meditiere und hab den Dalai Lama in zwei „Public Teachings“ (zusammen mit zehntausenden Ladakhis) gesehen und gehoert.
Bald werde ich mich aufmachen und diesen herrlichen Ort verlassen, es ist Zeit fuer mich weiterzukommen und mehr dieses wunderbaren Landes zu sehen.
Lets keep in touch.
In Liebe, Raphael
Be Happy!